Globalisierung 2.0, ist das Schlimmste schon vorbei oder kommt es erst?

Die Welt ist flach

Die Welt ist flach

In vielen meiner Gespräche mit Kunden und Freunden höre ich oft folgende Aussagen:

„wir stehen vor nie dagewesenen Veränderung“,

„die Globalisierung wird uns noch auf den Kopf fallen“,

„die Abwanderung der Industrie von Österreich nach China, oh Gott“,

„die neuen Technologien (Internet…..Facebook…..WEB2.0) verändern uns, im speziellen die Kinder&Jugendlichen, zu einem schlechteren Menschen“….

Ja, wir stehen vor dramatischen Veränderungen, wie immer schon, aber Veränderungen sind nur dann dramatisch, wenn diese einem selbst treffen!

Lesen Sie unten weiter und Sie werden erkennen, dass die Menschheit sich schon immer im permanenten Change befunden hat. Ich persönlich kann mir keine schönere Zeit, als die heutige vorstellen. Sollten Sie eine zwischen dem 15. Jhdt. und heute finden, lassen Sie es mich wissen.

Dieser Artikel kann auch als wissenschaftliche Arbeit, dh. mit den Quellenangaben unter Kontakt angefordert werden. Dieser Blogbeitrag ist etwas länger, ich empfehle daher einen Ausdruck.

Viel Spass beim Lesen:

1 Begriffsdefinition Globalisierung:

Der Begriff Globalisierung, wie wir ihn heute verwenden, scheint erstmals 1961 in einem englischen Wirtschaftslexikon auf. Bekannt wurde der Terminus durch Professor Theodore Levitt, der mit seinem Artikel „The Globalization of Markets“ das Thema ausführlich beschreibt. Der Artikel erschien 1983 im Harvard Business Review. Er spricht vom Ende der multinationalen Konzerne und glaubt an Unternehmen, die undifferenziert von nationalen und kulturellen Gegebenheiten Ihre Produkte weltweit einheitlich vermarkten und produzieren.

Dass er mit dieser Aussage recht behalten soll, zeigen Unternehmen wie McDonald oder Microsoft, die nicht nur einen Markt sondern die ganze Welt erobern. Konnte man früher noch eindeutig sagen aus welchem Land ein Unternehmen oder ein Produkt kommt, wird es in Zeiten der Globalisierung immer schwieriger. Ein aktuelles Beispiel aus Österreich ist die Firma Novomatic, die nur mehr 20% ihrer Mitarbeiter in Österreich beschäftigt.

Begann die Globalisierung mit einer Verflechtung der Märkte, ist sie heute ein Thema der Politik (Europäische Union) und durch die Vermischung der Völker auch ein stark kulturelles Thema. Eine exakte Definition für das Wort Globalisierung wird man nicht finden.

Die folgenden Zitate geben Ihnen einen Auszug:

  • Globalisierung, das die Ideologie der freien Märkte.
  • Die Globalisierung ist der Vorgang der zunehmenden weltweiten Verflechtung in allen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation etc.). Diese Verdichtung der globalen Beziehungen geschieht auf der Ebene von Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten. Als wesentliche Ursachen der Globalisierung gelten der technische Fortschritt, insbesondere in den Kommunikations- und Transporttechniken, sowie die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels.
  • Prozess, durch den Märkte und Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden – dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegung von Kapital und Technologie.

Globalisierung ist somit zu einem Aspekt geworden, der in allen Segmenten unseres Lebens auftritt. Einmal stärker, einmal schwächer, einmal positiv und einmal negativ. Nennenswerte Sektoren, die von der Globalisierung betroffen sind:

  • Wirtschaft (Betriebs als auch Volkswirtschaft)
  • Politik
  • Religion
  • Kultur
  • Bildung und Forschung
  • Umweltschutz
  • Rechtssystem
  • Sie, ich und wir

2 Auslöser und historische Entwicklung:

Auch wenn das Wort Globalisierung, wie in Kapitel 1 beschrieben, erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhundert bekannt wurde, gibt es ihr Tun bereits seit dem Bestehen der Menschen. Die Menschheit hat seit ihrem Beginn die Welt erobert. Der Beginn der Globalisierung kann auch mit der Wanderung unserer Vorfahren von Afrika nach Europa definiert werden.

Als weitere Schritte können sicher auch der Aufbau der ersten Handelsstraßen, die Entstehung der Seefahrt und der Aufbau von Informationssystemen genannt werden. Das Erfolgsrezept von Dschingis Khan in der Globalisierung seines Reiches, war sein auf schnellen Pferden basierendes Informationssystem. Diese ermöglicht ihm den Aufbau eines der größten Reiche der Geschichte.

Bis zum Beginn der Neuzeit war Globalisierung aber mehr ein Eroberungsthema, dessen Mitteln mit denen der heutigen Wirtschaften nicht vergleichbar sind.

2.1 Entwicklung von 1500 bis 1800:

Der Prozess der Globalisierung ist augenscheinlich nicht neu. Die Ausweitung der Warenwirtschaft und die Kommerzialisierung menschlicher Beziehungen stehen jedoch zu Beginn der Neuzeit noch ganz am Anfang. Dieser Zeitraum gilt als die Vorbereitung der industriellen Revolution und als Beginn der Weltwirtschaft. Diese Zeit kann, betrachtet man Wirtschaften auch gleichbedeutend mit Wohlstand beziehungsweise Reichtum nicht als solche gesehen werden. Die herrschenden Lebensumständen, Armut und Lebenserwartung sprechen dagegen. In Europas Städten waren zirka 15-20% arm, das bedeutete damals Bettler zu sein. Armut wurde zum ersten Mal im Zusammenhang mit Arbeit gesehen und wurde somit ein Thema der Ökonomie.

Es erfolgte die Schaffung von Arbeit in Form von Produktion und Arbeitsteilung, sowie die Erziehung der Bevölkerung zu dieser Form der Erwerbstätigkeit. Wirtschaftlicher Schwerpunkt dieser Epoche war der Handel zwischen Europa, Westafrika und Nordamerika und der Aufbau der Kolonien in diesen Ländern durch die damalige Weltmacht Europa. Leider werden zu dieser Zeit auch Menschen als Ware gehandelt. Ermöglicht hat dieses globale Agieren vor allem der Aufbau des Banken- und Versicherungswesens, die moderne Schifffahrt und die Entwicklung der ersten Nachrichtendienste. Die Erfindung des Buchdruckes, der zur wesentlichen Verteilung von Informationen und zur Multiplikation von Wissen diente, soll hier nicht vergessen werden.

Auf unsere Zeit übersetzt bedeuten obige Begriffe:

  • Kapitalmarkt
  • Transport-Logistik
  • Informationstechnologie
  • Wissensmanagement

Die Sklaverei, so schlimm sie ist, war aber auch der erste Zeitpunkt der Geschichte, in der Menschen in großen Massen der Arbeit geographisch folgten, wenn auch nicht freiwillig.

2.2 Von 1800 bis 2010:

Die von England ausgehende industrielle Revolution prägte Europa und den Rest der Welt bis heute. Wesentliche Erfindung wie die Dampfmaschine von James Watt, die Spinnmaschine von Hargreaves, die Baumwollspinnmaschine von Arkwright, das Puddelverfahren bei Eisengewinnung von Corte, der Mechanische Webstuhl von Cartwright und die Drehbank von Maudsley steigerten die Produktivität im 19. Jahrhundert enorm.

Erstmals wurde die Wissenschaft für die Weiterentwicklung und für die Problemlösung der Wirtschaft eingesetzt, mit dem klaren Ziel der Produktivitätssteigerung und der Entwicklung von neuen Verfahren. Die chemische Industrie in Deutschland richtete um 1860 die ersten Forschungslabors in ihren Firmen ein.

Die Beschleunigung des Transportwesens durch das Dampfschiff statt dem Segelschiff und der Aufbau des Eisenbahnnetzes reduzierten Reise- und Transportzeiten um bis zu 75%. Mit der Verlegung des ersten Atlantikkabels für Telegrafie im Jahre 1865 und einer weiteren Verbindung zwischen London und Kalkutta wurde das Telekommunikationszeitalter begonnen.

Betrachtet man die Handelsbeziehungen im 19. Jahrhundert waren alle Kontinente und deren Länder am Welthandel beteiligt, wobei Afrika und Ozeanien von geringer Bedeutung waren. Europa war mit einem Anteil der Weltwirtschaft von über 60% an erster Stelle, Nordamerika und Asien waren beide kapp über 10% an zweiter, beziehungsweise dritter Stelle. Die Anteile der einzelnen Nationen veränderten sich bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur wenig.

Man könnte das Thema Globalisierung als ein im 19. Jahrhundert gereiftes Wirtschaftssystem bezeichnen, das seit dem damals nur an Geschwindigkeit, Große und Komplexität zugelegt hat und durch neue wirtschaftliche und politische Abkommen angepasst wurde. Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass Europa im Gesamtkontext an Macht und Einfluss gegenüber dem Rest der Welt verloren hat. Dass ein Auslöser die beiden Weltkriege gewesen sind, scheint offensichtlich zu sein.  Selbst nach Abzug des Handels der EU-Staaten untereinander werde der Anteil der EU an den globalen Exporten heuer 16 Prozent betragen. Damit liegt die EU vor China mit 15 und den USA mit zwölf Prozent. Unabhängig von anderen Ursachen verliert Europa gemessen am Welthandel massiv, nimmt man die oben erwähnten rund 60% Anfang des 20 Jahrhunderts als Basis.

Der Höhepunkt der Industriealisierung in der westlichen Welt ist zu Ende und wir entwickeln uns von einer Industriegesellschaft zu einer Informationsgesellschaft, dessen Rohstoffe nicht mehr Energie und Rohstoffe sind, sondern Wissen.

3 Die Auswirkungen der Globalisierung im 21. Jahrhundert:

51 Prozent der Österreicher stimmen der Aussage „Globalisierung stellt eine Bedrohung für Beschäftigung und Firmen in Österreich dar“ zu. Im Gegenzug stimmen 41 Prozent der Aussage „Globalisierung stellt dank der Erschließung neuer Märkte eine gute Gelegenheit für österreichische Unternehmen dar“ zu. Europaweit ist es eine knappe relative Mehrheit (42%), die die Globalisierung eher als Chance für den heimischen Markt denn als Gefahr (41%) betrachtet.

Obiges Studienergebnis zeigt auf, das Österreich durch die Expansion in andere Länder gewinnen kann, aber natürlich durch Einwanderung einerseits, aber auch durch Abwanderung von Arbeitsplätzen ins Ausland gefährdet ist.

3.1 Wirtschaft:

Für Österreich und Europa, den bisherigen Siegern der Globalisierung, droht durch die rasche, wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer ein hohes Gefahrenpotential in der Beschäftigung ihrer Bürger. Grund sind sowohl die teuren Löhne, als auch die verstärkte Automatisierung der Arbeit. Die von David Ricardo entwickelte Theorie des komparativen Kostenvorteils beschreibt die Vorteile der Zusammenarbeit von hochentwickelten und weniger entwickelten Länder im wirtschaftlichen Sinne. Beide können nach dieser Theorie gewinnen, aber nur dann, wenn es sich um eine geschlossene Volkswirtschaft handelt, wie wir sie in den letzten 2 Jahrhunderten hatten. In unseren heutigen Zeiten, in denen es durch die internationalen Finanzmärkte, dem Ende der geographischen Zuordnung von Unternehmen und somit der Abwanderung von Kapital kommt, kann ein hochentwickeltes Land, entgegen der Meinung von Cohen (1998:66f.) nicht mehr durch immer weitere Spezialisierung bestehen.

Blickt man in die Zukunft, wird Europa im Jahr 2025 nur mehr 15 Prozent des Anteiles am weltweiten Bruttoinlandproduktes haben (heute 20 Prozent) und China wird im Jahr 2040 Amerika als Wirtschaftsmacht Nummer Eins überholt haben.

3.2 Politik:

Die Globalisierung macht auch vor der Politik nicht halt. Die politische Denationalisierung ist ein Prozess, der die Dominanz der nationalen politischen Einrichtungen reduziert. Ein Zeichen dafür ist der kontinuierliche Anstieg der weltweiten Organisationen und neuer internationaler Verträge in den letzen Jahrzehnten. Die Anzahl der Rechtsakte der Europäischen Union im Jahr 1990 betrug 618 (1970 waren es nur die Hälfte). Vergleicht man diese Zahl mit den im nationalen Bereich verabschiedeten Gesetzen (Deutschland: 92, Frankreich: 115, England:54, Italien: 226), die über die Laufe der Jahre zwischen 1970 und 1990 konstant blieben, ist klar ein Trend zur zentralen Europapolitik zu erkennen.

Dass der Staat aber nicht aussterben wird, zeigt die Verdoppelung der international anerkannten Staaten seit dem zweiten Weltkrieg. Die Staaten erleiden keinen Machtverlust, sondern unterliegen mehr einer Umgestaltung und Neustrukturierung.

3.3 Gesellschaft:

Die Globalisierung der Gesellschaft ist vor allem durch das rasche Wachstum der Kommunikations- und Informationstechnik geprägt. Post, Telefonie, Internet und natürlich WEB 2.0 ermöglichten und beschleunigten den Informationsaustausch zwischen den Menschen exponentiell. Diese technologischen Entwicklungen waren der Grundbaustein der Weltgesellschaft.

Nach Niklas Luhmann verweist der Ausdruck – ausgehend von der systemtheoretischen Vorstellung, dass sich soziale Systeme auf Kommunikation gründen – auf die Ausdehnung von Gesellschaft (verstanden als die Gesamtheit der füreinander erreichbaren Kommunikationen) über nationale und regionale Beschränkungen hinaus (=WEB 2.0).

Das Internet als weltweite Informationsquelle, die die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen ermöglicht und speziell die Nutzung von Sozialen Netzwerken (WEB 2.0) werden aus meiner Sicht zu einem Abbau von kulturellen Barrieren führen.

Je stärker Menschen und damit auch ihre Staaten miteinander vernetzt sind, desto leichter lassen sich viele der anstehenden gesellschaftlichen Probleme lösen. Dies betrifft vor allem die weltweiten sozialen Fragen, wie zum Beispiel Umweltschutz, Armut oder Terrorismus. Jedoch sind wir weit von einer transnationalen Politik entfernt, da die nationalen gesellschaftlichen Anliegen heute noch in der Mehrheit über den globalen zu finden sind.

4 Zusammenfassung:

Globalisierung hat schon immer stattgefunden und sie wird uns weiter begleiten. Es wird zu einer Veränderung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft führen, einhergehend mit einer Machtverschiebung zwischen ganzen Kontinenten oder einzelnen Staaten. Der Einzelne jedoch hat in dieser „Flachen Welt“, wie sie Thomas L. Friedman bezeichnet ungeahnte Möglichkeiten:

Die Tatsache, dass so viele Menschen über die nötigen Werkzeuge verfügen, um ihre eigenen Inhalte, Nachrichten und Meinungen, Musik, Videos und Fotos, Software und Browser, Lexika und Wörterbuch (=WEB 2.0) – zu erstellen und hochzuladen, wirkt sich ungeheuer positiv auf die Bewahrung und sogar den Ausbau kultureller Autonomie und kultureller Besonderheiten aus.

Die teilweise Sorge, dass Globalisierung eine Vereinheitlichung aus kultureller Sicht mit sich bringt, kann somit entkräftet werden. Durch die technologieunterstütze und weltumspannende Vernetzung (=WEB 2.0) von einzelnen Individuen könnten neue Kulturen entstehen, deren Ursprung nicht mehr in einem gemeinsamen geografischen Standort liegt.

Die Welt wird flach und Social Media ist ein Beitrag dazu.

 

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2 Antworten auf Globalisierung 2.0, ist das Schlimmste schon vorbei oder kommt es erst?

  1. Eine spannende und schlüssige Darstellung, welche den positiven Effekt von Globalisierung 2.0 griffig darstellt. http://www.personalberaterseitenblicke.at , Hermann Pavelka-Denk

  2. „Die Sklaverei, so schlimm sie ist, war aber auch der erste Zeitpunkt der Geschichte, in der Menschen in großen Massen der Arbeit geographisch folgten, wenn auch nicht freiwillig.“ Jetzt ist es ja umgekehrt und wir nennen das Liberalisierung. Die Auseinandersetzung, was nach dem Scheitern des Kommunismus und der radikalen Liberalisierung kommen kann, steht uns noch bevor. Aber wie du eingangs sagst, sind Veränderungen nur dramatisch, wenn diese einen selbst treffen. Also schau ma mal, weil seh’n tut man’s dann eh.

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